11. Mai 2015

[Unterwegs] Mountainbiking und Queenstown Hill

Ich bin inzwischen seit fünf Wochen in Queenstown. Die ersten Wochen waren sehr arbeitsreich, sodass ich erst in den letzten Tagen dazu gekommen bin, die Gegend um Queenstown herum zu erkunden. Meinen ersten freien Nachmittag habe ich genutzt, um eine Mountainbike-Tour zu machen. Ich bin den Gold Digger Trail gefahren, der am Lake Wakatipu startet und bis zum Moke Lake geht. Man kann ihn sowohl uphill als auch downhill fahren und die Strecke ist oneway 2,5 km lang. Ich hatte davor keine große Mountainbike-Erfahrung und der Trail war zwar anspruchsvoll aber gut machbar. Der Großteil der Strecke verläuft durch den Wald und an einigen Stellen ist der Pfad sehr schmal, an anderen Stellen sehr rutschig. Bergauf fahren ist daher nicht ganz ohne, aber nach ein paar Metern hatte ich ein gutes Gefühl fürs Fahren und Gewicht verlagern entwickelt und dann hat das Ganze richtig Spaß gemacht. Downhill war natürlich noch um einiges cooler. :)




An meinem zweiten freien Nachmittag bin ich auf den Queenstown Hill gewandert. Wobei es eher ein Spaziergang als eine Wanderung war. Der Weg startet im City Center von Queenstown und dauert ungefähr 2,5 Stunden. Die Wanderung ist easy, der Weg geht größtenteils durch Wald und über Felsen und ist nicht sonderlich steil. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, weil man von oben einen tollen Blick über Queenstown, den Lake Wakatipu und die Berge hat.



6. Mai 2015

[Review] "Fifty Shades of Grey"

Ein langweiliger Abend und meine Neugierde auf den Film haben mich gestern dazu gebracht, mir den gleichermaßen umstrittenen und gehypten Film "Fifty Shades of Grey" anzusehen. Ich hatte vor zwei Wochen das Buch gelesen und war positiv überrascht davon. Es hat mich gefesselt, ich hab die Personen verstehen und ins Herz schließen können und die Story war gar nicht so plump und oberflächlich wie ich dachte.

Der Film kommt leider nicht annähernd an das Buch ran. Der Inhalt ist, denke ich, jedem bekannt: unerfahrenes Mädchen verliebt sich in unnahbaren Millionär, der sie in die BDSM-Welt einführt. Das Buch schafft es, sowohl Anastasia Steel als auch Christian Grey als Persönlichkeiten darzustellen, in die man sich als Leser hinein versetzen kann. Sie studiert englische Literatur, steht kurz vor ihrer Abschlussprüfung und macht sich viele Gedanken über ihre berufliche Zukunft. Sie ist introvertiert, trinkt nicht, geht kaum feiern und hat nur einige dafür aber sehr gute Freunde. Sie hat ein enges Verhältnis zu ihrer Familie, braucht deren Liebe und Zuneigung. Sie ist auf der Suche nach einem Partner, mit dem sie sich unterhalten kann, der mit ihr ins Kino und ausgeht und der ihr die gleiche Liebe entgegen bringt wie sie ihm. Christian Grey ist dagegen ein junger, erfolgreicher Geschäftsmann, in dessen Leben eine feste Freundin keinen Platz hat. Er lebt für seine Firma und seinen beruflichen Erfolg. Er braucht Kontrolle über alles in seinem Leben und hat kein Interesse an einer Liebesbeziehung. Er liebt seine Familie, die ihn adoptiert hat als er ein Kind war und der er sein Leben zu verdanken hat. Seine frühe Kindheit war geprägt von seiner drogensüchtigen Mutter, die als Prostituierte arbeitete und ihn fast verhungern ließ.

Im Buch werden beide Charaktere zu griffigen Persönlichkeiten. Dem Film fehlt dieser Aspekt komplett. Christian wirkt oberflächlich, arrogant und aufgesetzt, seine Sätze klingen unecht. Während er im Buch einschüchternd und anziehend zugleich ist, fehlt seiner Rolle im Film jede Konsistenz. Und auch die Rolle der Anastasia Steel enttäuscht. Sie bekommt zwar an einigen Stellen Persönlichkeit und erscheint stärker als im Buch, meist wirkt sie jedoch nur unsicher und mit der Situation überfordert. Beide Charaktere werden im Film nur oberflächlich dargestellt und ein Hineinversetzen in die Personen ist kaum möglich. Im Buch wird Anastasia außerdem als eine junge Frau dargestellt, deren Leben aus viel mehr besteht, als aus Christian Grey. Sie trifft Freunde, arbeitet, ist auf der Suche nach einem neuen Job, zieht nach Seattle und verbringt viele gemütliche Abende mit ihrer Mitbewohnerin. Der Film zeigt einige dieser Aspekte, sie machen jedoch nur ungefähr fünf Minuten der gesamten Filmzeit aus. Es entsteht viel mehr der Eindruck, als würde Anastasius Leben nur aus Treffen mit Christian Grey bestehen. Damit wird ihre Rolle auf einen Bruchteil der Rolle im Buch heruntergebrochen.

Und auch die Story des Films schafft es nicht annähernd den Leser so zu fesseln wie das Buch. Das liegt hauptsächlich daran, dass im Film auf viele Szenen, die das Innenleben der Protagonisten beschreiben, verzichtet wird. Im Film treffen sich Anastasia und Christian zwei Mal, unterhalten sich kurz und sind einander verfallen. Für den Zuschauer ist das weder nachvollziehbar noch nachfühlbar. Man muss es einfach akzeptieren, kann sich deswegen jedoch nicht in die Charaktere hinein versetzen. Im Buch wird der Leser wesentlich besser mitgenommen. Man bekommt einen Einblick in Anastasias Gedanken und Gefühle, erlebt mit, wie sie langsam ein Interesse für Christian entwickelt und fühlt mit ihr.
An vielen Stellen ist der Film zu schnell. Eine Handlung folgt der nächsten, das eigentlich wichtige - die Gefühle und Gedanken der Protagonisten - wird jedoch außen vorgelassen. Die Liebesgeschichte und Annäherung von Anastasia und Christian ist somit für den Zuschauer nicht nachvollziehbar.

Mein Fazit: Nett anzugucken, aber nicht mehr. Wer eine Liebesgeschichte ohne Happy End erwartet und sich über einige Helikopter-Szenen freuen kann, dem wird der Film gefallen. Wer jedoch einen Film sehen möchte, der einen mitnimmt und begeistert, der wird enttäuscht sein. Schade, denn das Buch hätte eine Vorlage für einen wesentlich besseren Film sein können.

20. April 2015

[Unterwegs] Queenstown, Neuseeland

Vor zwei Wochen bin ich nach Queenstown in Neuseeland geflogen und konnte nach 31 Stunden Flugzeit endlich dieses wunderschöne Land bestaunen. Schon aus der Luft sah Queenstown toll aus. Als wir im Landeanflug waren, war meine Müdigkeit auf einen Schlag verschwunden und ich hing während der ganzen Landung wie gebannt am Fenster. Queenstown liegt an einem See inmitten von Bergen, dementsprechend faszinierend ist der Landeanflug.


Queenstown ist eine relativ kleine Stadt (11.500 Einwohner) auf Neuseelands Südinsel. Die meisten Touristen kommen hier her, um diverse Extremsportarten wie Bungeejumping, Rafting oder Quad fahren auszuprobieren. Ich arbeite hier seit zwei Wochen für ein Unternehmen, das Wanderritte durch die Berge anbietet. Die Farm von der wir starten liegt an einem See in einem Tal. Von dort reiten wir dann durchs Tal, über Berge und an Seen entlang. Die meisten Touristen sind Anfänger, sodass die Ritte entspannte Spaziergänge durch die Landschaft sind. Und die ist einfach atemberaubend:







27. März 2015

Und plötzlich bin ich Tourist

Vor zwei Wochen war ich für ein paar Tage in Dublin. Da mein letzter Besuch schon fast ein Jahr her war, wurde das auch dringend mal wieder Zeit.
Ich flog zusammen mit zwei Freunden, die ich während meines Auslandssemsters in Dublin kennengelernt hatte, die aber auch beide inzwischen nicht mehr dort wohnen. Das typische Touri-Programm stand also nicht auf dem Plan, sondern hauptsächlich einfach mal wieder da sein, in die Lieblings-Pubs gehen und das Dublin-Feeling wieder herstellen. Mir fehlt mein alter Wohnort sehr oft, deswegen freu ich mich immer tierisch, wenn der nächste Dublin-Urlaub ansteht. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen. Ich dachte mir, ich flieg da hin, steig aus dem Flugzeug und bin sofort wieder drin, im dubliner Leben. Und soweit hat das auch geklappt. Ankommen, Bus suchen und freudig feststellen, dass ich tatsächlich in Irland bin, weil der Bus auf der "falschen" Seite fährt. Dann in Tempelbar aussteigen, drei Betrunkenen ausweichen, die Livemusik hören, die aus jedem Pub schallt und sich sofort heimisch fühlen. An jeder Straße und an jedem Pub hängen Erinnerungen an das halbe Jahr Erasmus-Abenteuer.
Den ersten Abend verbrachte ich in meinem Lieblingspub in dem mein Lieblingssänger, Brian Brody, spielte. Die Stimmung war super, der Cider schmeckte immer noch so gut wie damals und alles war perfekt. Nach dem Konzert machte ich ein Foto mit Brian und wechselte ein paar Sätze mit ihm.

Brian Brody
Und schon da hätte mir auffallen können, dass es anders ist, wenn man als Touri in eine Stadt zurück kommt, in der man mal gewohnt hat. Während ich in Dublin gewohnt hab, habe ich mir jede Woche die Livemusik dieses Sängers angehört. Manchmal sogar mehrmals pro Woche. Aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, ein Foto mit ihm zu machen. Warum auch? Ich würde ihn ja nächste Woche wieder sehen. Und jetzt plötzlich war der Gedanke da: "Schnell noch ein Foto machen, für die Erinnerung, wer weiß, wann ich ihn wieder sehe". Eben wie ein typischer Touri.

Wir haben in den fünf Tagen in Dublin viel unternommen. Waren mal am Meer, mal Klippen anschauen, sind durch die Stadt geschlendert und haben Freunde von damals getroffen. Die Stimmung war toll, der Urlaub war toll, die Pubs waren nach wie vor toll. Aber was einfach nicht kommen wollte, war das Dublin-Feeling. Dieses Gefühl, das man hatte, als man da gewohnt hat. Dieses Gefühl, dass man dort hingehört und dort zu Hause ist. Vielleicht lag es daran, dass wir jeden Abend in unser Hostel gingen und nicht in unsere Wohnung. Vielleicht auch daran, dass wir uns hauptsächlich in Templebar aufhielten, dem Touri-Viertel von Dublin. Oder einfach daran, dass die Erwartungen zu hoch waren.


Der Urlaub war trotzdem verdammt schön. Es war einfach toll, wieder da zu sein und sich an die perfekte Zeit zu erinnern, die wir dort hatten. Aber wir hätten uns gerne nicht einfach nur dran erinnert, sondern sie noch einmal erlebt.

17. Januar 2015

Je suis Charlie

Je suis Charlie
Bildquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_auf_Charlie_Hebdo
Als mich die Nachricht des Anschlags auf die französische Satirezeitung Charlie Hebdo erreichte, saß ich gerade im Bus auf der Fahrt von München nach Berlin. Irgendwo zwischen Hermsdorf und Leipzig hatte ich genug Internetempfang, um meinen Facebook Newsfeed laden zu können. Die Nachricht war bereits einige Male geteilt worden und erschien an erster Stelle auf meiner Startseite. Ein Anschlag auf eine Redaktion, 12 Tote. Ich laß den Artikel und war erschrocken. Hauptsächlich darüber, dass der Anschlag in einem unserer Nachbarländer stattgefunden hatte und darüber, dass er gezielt gegen eine Redaktion ging. Über Nacht rückte das Thema von mir weg. Bei Frühstück überflog ich die tagesaktuellen Schlagzeilen. Hintergrund Infos zum Anschlag, Fahndungsbilder, Details über die vermutlichen Attentäter. Und trotzdem war das Thema für mich zu diesem Zeitpunkt nur eins von vielen; ein Thema wie jedes andere, über das man in der Zeitung liest. 

Das änderte sich schlagartig, als ich auf die Arbeit fuhr. Neben der Tür zur Redaktion in der ich arbeite, standen zwei bewaffnete Polizisten mit schusssicheren Westen. Ein paar Meter weiter parkte ein Streifenwagen, in dem noch mehr Beamte saßen. Die Tür ließ sich nicht wie sonst einfach aufdrücken, sondern war verschlossen und öffnete sich erst, nachdem ich mich mit meiner Chipkarte als Mitarbeiter ausgewiesen hatte. Am Empfang saßen zwei Security-Männer, die mich kritisch musterten. Erst in diesem Moment begriff ich so richtig, was am Tag davor geschehen war: es war ein Attentat auf eine Redaktion verübt worden, mit dem Ziel, Journalisten zu töten. Journalisten, die die "falsche" Meinung hatten und die "falschen" Karikaturen veröffentlichten. Und plötzlich fühlte ich mich nicht mehr sicher an meinem eigenen Arbeitsplatz. Die regelmäßig patrouillierenden Polizisten und die verschärften Sicherheitsmaßnahmen trugen nicht dazu bei, dieses Gefühl verschwinden zu lassen. 

Jeden Tage sterben Journalisten in Kriegs- und Krisengebieten, werden gezielt getötet oder verschwinden spurlos. Doch kaum jemand erfährt davon. Es ist auch normalerweise kein Thema, für das sich die Leserschaft großartig interessiert. Diesmal ist das anders. Charlie Hebdo dominiert die Nachrichten und die sozialen Medien sind voller Solidaritäts- und Beileidsbekundungen. Was macht den Anschlag in Paris zu solch einem großen Thema? Zum einen natürlich die geografische Nähe. Was in Frankreich passiert, interessiert Deutschland, denn wirklich weit haben es die Terroristen von da zu uns nicht. Zum anderen, und dieser Punkt ist viel entscheidender, ist der Anschlag ein so großes Thema, weil es einen konkreten Feind gibt. Islamistische Terroristen haben Journalisten erschossen. Ein gefundenes Fressen für die aktuelle Anti-Islamierungsbewegung und allen voran für Pegida. "Wir haben euch gewarnt und hatten von Anfang an Recht." Pegida instrumentalisiert das Attentat für seine Zwecke. Und begeht damit den größtmöglichen Fehler. Das Ziel von Terroristen ist selten die Tötung einzelner Menschen. Im Vordergrund eines Anschlags steht vielmehr, ein Feindbild zu erschaffen, deutlich zu machen, wer der Gute und wer der Böse ist, Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Terrorismus hat das Ziel, Krieg zu erzeugen. Islamfeindliche Anschuldigungen und Verallgemeinerungen à la "Der Islam ist Schuld" spielen diesem Ziel in die Hände. Die Debatte über die Islamisierung Europas hat nichts mit dem Anschlag in Paris zu tun. Nicht der Islam trägt die Schuld an den 12 Toten, sondern allein die Terroristen, die diese getötet haben. Dafür die Millionen Muslime, die friedlich in Europa leben, zu verurteilen ist schlichtweg falsch. Muslimische Einrichtungen anzugreifen, um Vergeltung zu üben ist ebenso falsch. Solidarität kann man anders zeigen.  

Ich konnte das mulmige Gefühl, dass ich seit ich die Redaktion heute betreten hatte, hatte, den ganzen Tag nicht abschütteln. Gedanken wie "Sind wir vielleicht die nächsten?" und "Haben wir vielleicht auch etwas 'Falsches' geschrieben?" kamen immer wieder. Trotzdem werde ich morgen wie gewohnt in die Redaktion fahren. Ich werde den Polizisten einen Guten Morgen wünschen, die Tür mit meiner Chipkarte öffnen, mich an meinen Schreibtisch setzen und schreiben. Um zu informieren. Um aufzuklären. Um Solidarität zu zeigen. Und um den Terror nicht gewinnen zu lassen. 

(Text vom 08.01.2015)